Zugang zum Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker (aus Drittstaaten)

Die „Blaue Karte EU“

(Gesetzliche Grundlage: § 19 a AufenthG i.V.m. § 2 Absatz 1 Nr. 2 BeschV)

Die Blaue Karte EU erhalten:

  • Akademikerinnen und Akademiker mit einem deutschen oder einem ausländischen Hochschulabschluss, der in Deutschland anerkannt oder einem dem deutschen Abschluss vergleichbar ist,
  • wenn sie einen Arbeitsplatz haben und
  • ein Mindestgehalt von 50.800 Euro (2017) brutto jährlich verdienen.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist keine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit erforderlich.

Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Humanmediziner können die Blaue Karte EU auch dann erhalten, wenn sie

  • einen in Deutschland anerkannten oder einem dem deutschen Abschluss vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss und
  • ein Arbeitsplatzangebot haben,
  • mindestens rund 39.624 Euro brutto im Jahr 2017 verdienen (sogenannte „Blaue Karte EU in Mangelberufen“) und
  • die Bundesagentur für Arbeit der Beschäftigung zugestimmt hat.

Die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit wird erteilt, wenn insbesondere das Gehalt nicht ungünstiger ist, als das vergleichbarer inländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Liegt das üblicherweise gezahlte Gehalt in Deutschland also für eine bestimmte Beschäftigung über der Gehaltsgrenze für die Blaue Karte EU in Mangelberufen, darf die Zustimmung nur erteilt werden, wenn das höhere Gehalt gezahlt wird.

Die Blaue Karte EU können ausschließlich Akademikerinnen und Akademiker erhalten. Sie darf nur dann erteilt werden, wenn der Beruf in Deutschland ein akademischer Beruf ist. D.h. zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher oder Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger können auch dann keine Blaue Karte EU erhalten, wenn es sich in dem Herkunftsstaat um einen akademischen Beruf handelt, weil es sich in beiden Fällen in Deutschland um einen Ausbildungsberuf handelt.

Bei nicht-reglementierten Berufen setzt die Erteilung einer Blauen Karte EU bei Akademikerinnen und Akademikern mit ausländischen Hochschulabschlüssen voraus, dass ihr Studienabschluss nach den Bewertungen der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) als mit einem deutschen Hochschulabschluss „gleichwertig“ oder mit „entspricht“ eingestuft ist. Ob ihr Studienabschluss dieses Kriterium erfüllt, können Sie in der Datenbank „Anabin“ recherchieren.

Bei reglementierten Berufen muss zwischen dem Berufszugang und dem zugrundeliegende Hochschulabschluss unterschieden werden. In den Fällen, in denen die Akademikerinnen oder Akademiker in dem reglementierten Beruf arbeiten wollen (z.B. Ärzte, Lehrer) ist die Anerkennung des Abschlusses notwendig, um die Blaue Karte EU erhalten zu können. In diesen Fällen ist die Anerkennung bei der zuständigen Stelle in Deutschland zu beantragen. Die zuständige Stelle finden Sie hier.
In den sonstigen Fällen, ist eine Einstufung der Gleichwertigkeit nach der anabin-Datenbank der ZAB wie bei nicht-reglementierten Berufen (s.o.) ausreichend. (Wenn Sie z. B. Ingenieurin sind und nicht die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ führen müssen.)
 
Eine der „Qualifikation angemessene Beschäftigung“ im Sinne von § 19a AufenthG meint nicht zwangsläufig die Beschäftigung in diesem reglementierten Beruf (z.B. als Arzt/Ärztin), sondern eine Beschäftigung die üblicherweise nur mit einem Hochschulabschluss ausgeübt werden kann.

Wichtig: Bei den reglementierten Berufen gibt es die Möglichkeit, vor Erteilung der Blauen Karte EU eine Aufenthaltserlaubnis für maximal 18 Monate nach § 17a AufenthG für fachtheoretische Anpassungslehrgänge und Vorbereitungskurse auf eine Kenntnisprüfung zu erhalten. Der neue Aufenthaltstitel umfasst alle Bildungsmaßnahmen, die im Kontext eines Anerkennungsverfahrens in Frage kommen, z.B. Anpassungslehrgänge, Vorbereitungskurse auf Prüfungen, Sprachkurse oder betriebliche Weiterbildungen. § 17a berechtigt außerdem zur Einreise zwecks Absolvierung einer Kenntnisstandprüfung im Kontext Anerkennung sowie zur Arbeitsplatzsuche im Anschluss an die Bildungsmaßnahme.

Der neue Aufenthaltstitel ermöglicht es auch, begleitend zu einer Anpassungsmaßnahme eine Beschäftigung aufzunehmen, die im Zusammenhang mit dem angestrebten Beruf steht.

Akademikerinnen und Akademikern, die eine Blaue Karte besitzen, wird – wenn gewünscht - die Niederlassungserlaubnis – und damit ein unbefristetes Aufenthaltsrecht nach 33 Monaten Beschäftigung – bei Nachweis ausreichender deutscher Sprachkenntnisse von Niveau B1 bereits nach 21 Monaten erteilt. Gesetzliche Grundlage: § 19a Absatz 6 AufenthG.

Aufenthaltserlaubnis für Akademikerinnen und Akademiker, die die Gehaltsgrenzen für die Erteilung der Blauen Karte EU nicht erfüllen

Wenn Sie als Akademikerin oder als Akademiker mit ausländischem Hochschulabschluss einen Arbeitsplatz gefunden haben, aber die Gehaltsgrenzen für die Erteilung der Blauen Karte EU nicht erfüllen, können Sie dennoch in Deutschland eine Beschäftigung aufnehmen, die ihrer Qualifikation entspricht.

Sie erhalten aber nicht die Blaue Karte EU, sondern eine Aufenthaltserlaubnis nach § 18 AufenthG.

Voraussetzungen:

  • Die Anforderungen an den Hochschulabschluss sind die gleichen wie bei der Erteilung der Blauen Karte EU (ihr Studienabschluss muss nach den Bewertungen der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) als mit einem deutschen Hochschulabschluss „gleichwertig“ oder mit „entspricht“ eingestuft sein.)
  • die Bundesagentur für Arbeit muss der Beschäftigung aber in diesen Fällen zustimmen. Dafür prüft sie, ob die Arbeitsbedingungen vergleichbar sind und führt außerdem eine Vorrangprüfung durch (§ 2 Absatz 3 BeschV).

Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche

Damit Akademikerinnen und Akademiker aus Drittstaaten bessere Möglichkeiten haben, einen Arbeitsplatz in Deutschland zu finden, gibt es seit 2012 den sechs Monate gültigen Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche. 
Voraussetzungen:

  • Die Anforderungen an den Hochschulabschluss sind die gleichen, die für die Erteilung der Blauen Karte EU und die Aufenthaltserlaubnis für eine Beschäftigung als Akademikerin oder Akademiker maßgeblich sind.
  • Der Lebensunterhalt muss in der Zeit des Aufenthaltes sichergestellt sein, da die Erwerbstätigkeit während der Arbeitsuche nicht gestattet ist.


Wichtig: Personen, die einen ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz gefunden haben, können die Blaue Karte EU oder eine Aufenthaltserlaubnis bei der zuständigen Ausländerbehörde beantragen, ohne vorher ausreisen zu müssen.
Auch akademische Fachkräfte die in Deutschland z.B. befristet tätig waren, können im Anschluss an diese Tätigkeit den Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche in Deutschland weitere sechs Monate erhalten.

Absolventinnen und Absolventen deutscher Hochschulen

Wenn Sie ihren Hochschulabschluss in Deutschland gemacht haben, dann sind die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis für Akademikerinnen und Akademiker und die Erteilung einer Blaue Karte EU in Mangelberufen für Sie zustimmungsfrei, wenn sie die Mindestgehaltsschwelle erreichen.

In den Fällen, in denen Sie die Mindestgehaltsschwelle unterschreiten und keine Blaue Karte EU erhalten, ist die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis gem. § 2 Absatz 1 Nr. 3 zustimmungsfrei.

Sie können nach zwei Jahren eine Niederlassungserlaubnis erhalten (§ 18b AufenthG).

Damit ausländische Studierende nach Abschluss des Studiums die Möglichkeit haben, eine ihrer Ausbildung entsprechende Beschäftigung zu suchen, dürfen Sie sich bis zu 18 Monate zur Arbeitssuche in Deutschland aufhalten. In dieser Zeit ist es Ihnen erlaubt, jeder Beschäftigung nachzugehen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Außerdem dürfen sie bereits während des Studiums in Deutschland 120 ganze Tage oder 240 halbe Tage arbeiten.

Zugang zum Arbeitsmarkt für Fachkräfte mit Ausbildungen in den Ausbildungsberufen, in denen besondere Engpässe bestehen

Beschäftigung als Fachkraft in einem Ausbildungsberuf

Wer seine Ausbildung im Ausland absolviert hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine qualifizierte Beschäftigung in Deutschland aufnehmen.
Dafür benötigen Sie

  • einen der beruflichen Qualifikation entsprechenden Arbeitsplatz in einem der Ausbildungsberufe, in denen ein Engpass an Fachkräften besteht und
  • die Feststellung der für die berufliche Anerkennung zuständigen Stelle, dass ihre ausländische Berufsqualifikation mit der deutschen Ausbildung gleichwertig ist.(Gesetzliche Grundlage: § 6 Absatz 2 Nr. 2 BeschV).

Die Berufe, in denen Engpässe an Fachkräften bestehen, werden auf der sogenannten „Positivliste“ veröffentlicht. Auf dieser Liste stehen vor allem Berufe aus folgenden Bereichen:

  • Gesundheits- und Pflegeberufe,
  • Mechatronik- und Elektroberufe,
  • Gebäude- und versorgungstechnische Berufe sowie
  • Berufe aus dem Verkehrs- und Logistikbereich.

Wichtig: Wenn Sie aus dem Ausland die Feststellung der Gleichwertigkeit des Berufsabschlusses („Anerkennung“) anstreben, müssen Sie wissen, dass die spätere Beschäftigung nur in den Fällen möglich ist, in denen der Beruf auf der „Positivliste“ steht.

Wenn Sie noch im Ausland leben und gerne in einem der Berufe auf der „Positivliste“ in Deutschland arbeiten möchten, können Sie sich auch an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Arbeitsagentur wenden, die Sie beraten und manchmal auch bei der Stellensuche unterstützen kann.
Wenn nach der Gleichwertigkeitsüberprüfung durch die zuständige Anerkennungsstelle praktische Tätigkeiten (z.B. Anpassungslehrgang/ Anpassungspraktikum) in Deutschland für die Feststellung der Gleichwertigkeit des Berufsabschlusses erforderlich sind, haben Sie die Möglichkeit, vor der Zulassung als Fachkraft eine Aufenthaltserlaubnis für maximal 18 Monate nach § 17 a AufenthG zur Ausübung dieser praktischen Tätigkeit zu erhalten. Der Aufenthaltstitel nach § 17 a umfasst alle Bildungsmaßnahmen, die im Kontext eines Anerkennungsverfahrens in Frage kommen, z.B. Anpassungslehrgänge, Vorbereitungskurse auf Prüfungen, Sprachkurse oder betriebliche Weiterbildungen. § 17a berechtigt außerdem zur Einreise zwecks Absolvierung einer Kenntnisstandprüfung im Kontext Anerkennung sowie zur Arbeitsplatzsuche im Anschluss an die Bildungsmaßnahme.

Der Aufenthaltstitel ermöglicht es auch, begleitend zu einer Anpassungsmaßnahme eine Beschäftigung aufzunehmen, die im Zusammenhang mit dem angestrebten Beruf steht. Dies führt vor allem in den Pflegeberufen zu Verbesserungen. Wenn Sie z. B. die Anerkennung in der Krankenpflege beantragen und Ihnen fehlen Deutschkenntnisse, dann können Sie während des Sprachkurses bereits als Krankenpflegehelfer/in arbeiten. Dies war Drittstaatsangehörigen bislang nicht möglich.

Viele weitere Informationen zur Feststellung der Gleichwertigkeit ("Anerkennung") erhalten Sie hier.

Sie wollen eine Ausbildung in Deutschland machen?

Personen aus dem Ausland können in Deutschland eine Berufsausbildung machen. Für betriebliche Ausbildungen können Sie eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie

  • einen Ausbildungsvertrag haben und
  • die Bundesagentur für Arbeit der Aufnahme der Ausbildung zustimmt. Für die Erteilung der Zustimmung ist die Durchführung einer Vorrangprüfung erforderlich. Die Ausbildung in Deutschland ist also möglich, wenn für die angebotene Ausbildung keine inländischen Ausbildungssuchenden oder Bewerberinnen und Bewerber aus EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen.(Gesetzesgrundlage: § 17 AufenthG)

Nach erfolgreichem Abschluss einer qualifizierten Berufsausbildung in Deutschland haben Sie die Möglichkeit, in dem erlernten Beruf als Fachkraft weiter zu arbeiten.
Als „qualifizierte Berufsausbildungen“ gelten alle Ausbildungen, in denen die Ausbildungsdauer mindestens zwei Jahre beträgt.

Nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung haben Sie ein Jahr Zeit, sich eine der Ausbildung entsprechende Beschäftigung zu suchen. In dieser Zeit dürfen Sie – genau wie die Absolventinnen und Absolventen deutscher Hochschulen – jede Beschäftigung aufnehmen. (Gesetzesgrundlage: § 17 Absatz 3 Aufenthaltsgesetz).

Das Sonderprogramm „MobiPro-EU zur "Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa

Wenn Sie sich für eine Berufsausbildung in Deutschland interessieren und

  • zwischen 18 und 27 Jahre alt sind,
  • die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Mitgliedstaats oder eines EWR-Staates haben,
  • ihren Wohnsitz im europäischen Ausland haben oder sich zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung nicht länger als drei Monate in Deutschland aufhalten, und
  • über einen anerkannten Schulabschluss verfügen und
  • noch nicht über eine abgeschlossene betriebliche Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss in einem Masterstudiengang verfügen
  • und eine Förderung ihrer Ausbildung nicht durch andere Gesetze möglich ist (SGB III, § 59)

dann sollten Sie sich über das Sonderprogramm „MobiPro-EU“ informieren und beraten lassen.

gefördert vom: Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Landesinitiative netzwerk W