Was ist Anerkennung und was muss ich darüber wissen?

Bei einer Anerkennung findet immer ein Vergleich zwischen ihrem Abschluss und einem vergleichbaren deutschen Abschluss statt. Das ist nicht immer einfach. Denn in jedem Land ist Bildung und Ausbildung anders organisiert. Damit dieser Vergleich gemacht werden kann, brauchen die Stellen, die für die Anerkennung zuständig sind, möglichst viele Informationen über ihre Ausbildung in der Form von offiziellen Dokumenten

Es können

anerkannt oder bewertet werden.

Wichtig: Neben ausführlichen schriftlichen Informationen zur Anerkennung in diesen Bereichen, finden Sie auf Migra-Info auch Videos, die mit türkischen, spanischen, englischen, französischen, russischen, polnischen und arabischen Untertiteln abgerufen werden können.

Berufliche Abschlüsse werden häufiger nur teilweise anerkannt. Wenn die Anerkennung zur Ausübung eines Berufes nicht unbedingt notwendig ist, kann es unter Umständen sinnvoller sein, sich direkt auf Stellen zu bewerben. - Lassen Sie sich im Zweifelsfall immer beraten.

Keine oder nur unvollständige Dokumente vorhanden? – „Sonstige Verfahren“

Wenn Sie die für den Vergleich erforderlichen Dokumente aus nicht selbst zu vertretenden Gründen nicht oder nur teilweise vorlegen können, dann gibt es unter bestimmten Umständen die Möglichkeit, ihre Qualifikation über die sog. „Sonstigen Verfahren“ feststellen zu lassen. Informationen zu diesen Verfahren, finden Sie auf den Unterseiten zu (allgemeinbildenden) Schulabschlüssen und beruflichen Abschlüssen.

Zuständige Stellen

Je nachdem, welche Art von Qualifikation Sie anerkennen lassen möchten, sind sehr viele unterschiedliche Stellen und Behörden zuständig. Sie finden diese Stellen, wenn Sie auf die Unterseiten zu den (allgemeinbildenden) Schulabschlüsse, beruflichen Abschlüssen, Studienabschlüsse und Studien – und Prüfungsleistungen gehen.

Manchmal müssen Sie ihre Abschlüsse sogar anerkennen oder bewerten lassen!

Wann muss ich meine Abschlüsse anerkennen lassen?

Sie müssen Ihren beruflichen Abschluss auf jeden Fall anerkennen lassen oder einen Nachweis zur Vergleichbarkeit ihres akademischen Abschlusses auf Grundlage der Einstufungen der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) erbringen, wenn Sie

  • In einem „reglementierten Beruf“ arbeiten möchten und / oder die Berufsbezeichnung führen möchten
  • Im Ausland leben und Ihre Ausbildung in einem der Ausbildungsberufe, in denen in Deutschland ein Engpass an Fachkräften besteht absolviert haben und eine qualifizierte Beschäftigung in Deutschland aufnehmen möchten. Eine „qualifizierte Beschäftigung“ bedeutet: eine Beschäftigung als Fachkraft in ihrem Ausbildungsberuf. Die Berufe, in denen Engpässe an Fachkräften bestehen, werden auf der sogenannten Positivliste veröffentlicht.
  • Als Akademiker oder Akademikerin aus einem sogenannten „Drittstaat“ mit einem deutschen oder einem ausländischen Hochschulabschluss die „Blaue Karte EU“ erhalten möchten. Hinweis: Wenn Sie sich als Asylbewerberin oder Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgestattung in Deutschland aufhalten, können Sie künftig nach den ersten drei Monaten des Aufenthalts ohne Zustimmung der Bundesagentur eine Beschäftigung aufnehmen, wenn Sie die Voraussetzungen, die für die Erteilung einer Blauen Karte EU gegeben sein müssen, erfüllen.
  • Als Akademiker oder Akademikerin aus einem sogenannten „Drittstaat“ mit einem deutschen oder einem ausländischen Hochschulabschluss einen Arbeitsplatz gefunden haben,  aber die Gehaltsgrenzen für die Erteilung der „Blauen Karte EU“ nicht erfüllt sind und Sie eine Aufenthaltserlaubnis nach § 18 AufenthG beantragen möchten Hinweis: Für Staatsangehörige von Andorra, Australien, Israel, Japan, Kanada, der Republik Korea, von Monaco, Neuseeland, San Marino und den USA besteht eine Sonderregelung. Se können in Deutschland eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, ohne die Voraussetzungen erfüllen zu müssen, die z.B. für die Erteilung der Blauen Karte EU oder für Ausbildungsabsolventen gelten.

Sie müssen Ihren allgemeinbildenden Schulabschluss auf jeden Fall anerkennen lassen,

  • wenn Sie eine Ausbildung, Umschulung oder Weiterbildung in Deutschland machen wollen, für die ein bestimmter Schulabschluss gesetzlich oder durch die Vorgaben des Lehrgangsträgers als Zulassungsvoraussetzung vorgeschrieben ist.

Welche Dokumente brauchen die anerkennenden Behörden?

Fast immer werden zumindest die unten aufgelisteten Dokumente benötigt:

  • Antrag, aus dem hervorgeht, warum die Anerkennung/ Bewertung des ausländischen Bildungsnachweises benötigt wird
  • tabellarischer Lebenslauf mit genauem schulischen und ggf. beruflichem Werdegang
  • amtlich beglaubigte Fotokopie oder Original des Zeugnisses und des dazugehörigen Fächer- und Notenverzeichnisses in der Originalsprache
  • amtlich beglaubigte Fotokopie oder Original der deutschen Übersetzung
  • Fotokopie des Passes mit Aufenthaltstitel oder Bundespersonalausweis/ Bundesvertriebenenausweis (bei Namensänderung auch Fotokopie der Heiratsurkunde)

Häufig werden auch noch Nachweise über die Berufserfahrung (z. B. Arbeitszeugnisse, Arbeitsbücher) und Informationen über die Ausbildungsinhalte (z. B. Curriculum, Fächer- und Stundenübersichten) verlangt.

Informieren Sie sich immer direkt bei der zuständigen Stelle, welche Dokumente sie von ihnen haben möchte. Sie finden diese Informationen in der Regel auf der Homepage der zuständigen Stelle oder im Antragsformular oder sie müssen sie telefonisch erfragen.

Übersetzungen

Wenn Sie Qualifikationen anerkennen lassen möchten, brauchen Sie dazu fast immer eine Übersetzung Ihrer Originaldokumente. Ausnahmen gibt es – wenn überhaupt -manchmal für Dokumente in englischer Sprache, seltener noch für Dokumente in französischer oder spanischer Sprache. Wenn ihre Dokumente in keiner dieser Sprachen abgefasst sind, können Sie fast sicher davon ausgehen, dass Sie eine Übersetzung benötigen.

Übersetzer berechnen die Kosten nach der Zahl der Zeilen. Oft gibt es aber auch feste Preise für die Übersetzungen von Zeugnissen.

Die Übersetzer müssen vor Gericht zugelassen sein. Alle vor Gericht zugelassenen Übersetzer in Deutschland finden Sie in dieser Datenbank: www.justiz-dolmetscher.de

Wenn Sie über im Ausland angefertigte Übersetzungen verfügen, müssen die Übersetzer zumindest von der deutschen Vertretung (Botschaft, Konsulat) im Land anerkannt sein oder aber die Richtigkeit der Übersetzung muss von der deutschen Vertretung im Land bestätigt sein. Viele - aber nicht alle - anerkennende Stellen akzeptieren auch diese Übersetzungen.

Ebenso müssen Sie einige dieser Dokumente amtlich beglaubigen lassen.

Amtliche Beglaubigungen von Kopien amtlicher Dokumente und Zeugnisse

Bitte verwechseln Sie nicht eine „amtlich beglaubigte Kopie“ mit einer „beglaubigten Übersetzung“. Eine „amtlich beglaubigte Kopie“ ist eine Kopie von einem Original, auf der der Stempel  (Dienstsiegel) der Stelle, die beglaubigt abgedruckt ist, sowie ein weiterer Stempelabdruck, in dem bestätigt wird, dass das Original zur Einsicht vorgelegen hat und dass die Kopie mit dem Original übereinstimmt.

Amtliche Beglaubigungen von Zeugnissen oder anderen offiziellen Schriftstücken kann jede öffentliche Stelle vornehmen, die ein Dienstsiegel führt. Zum Beispiel: Stadt-, Gemeinde-, Kreisverwaltungen, öffentliche Sparkassen, Pfarrämter und Notare.

Meistens müssen Sie für eine amtliche Beglaubigung einen Geldbetrag pro Seite bezahlen.

Hinweise:
Rechtsanwälte, Vereine oder Wirtschaftsprüfer können keine amtlichen Beglaubigungen vornehmen.

Auch in den Arbeitsagenturen gibt es in der Regel (mindestens) eine Person, die Beglaubigungen vornehmen kann.

Kosten

Fast immer entstehen Kosten für

  • amtliche Beglaubigungen
  • Übersetzungen und
  • das Anerkennungs-/ Bewertungsverfahren.

Ausnahme: Die Verfahren zur Anerkennung allgemeinbildender Schulabschlüsse sind in NRW kostenfrei.

Darüber hinaus können – in der Regel im Rahmen der beruflichen Anerkennung vor allem im Bereich der „reglementierten Berufe“ – weitere Kosten entstehen z. B. für

  • die Teilnahme an Prüfungen
  • die Teilnahme an Anpassungslehrgängen
  • die Teilnahme an Vorbereitungslehrgängen für Prüfungen
  • die Teilnahme an „Sonstigen Verfahren“
  • Gesundheitszeugnis
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Gebühren für die Erteilung einer Berufserlaubnis.

Diese Kosten müssen zunächst einmal Sie tragen. Allerdings gibt es Möglichkeiten der Unterstützung oder sogar der vollständigen Kostenübernahme.

  • Die Arbeitsagenturen und Jobcenter können die Kosten ganz oder teilweise übernehmen, wenn Sie von dort Geld beziehen. Sie sind nicht dazu verpflichtet, sondern sie dürfen es nur, wenn sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt voraussichtlich verbessern werden. Außerdem müssen Sie die Kostenübernahme klären, bevor Sie etwas unternehmen. Nachträglich können die Kosten nicht übernommen werden.
  • Für die Finanzierung von Qualifizierung und Weiterbildung gibt es eine Reihe weiterer Möglichkeiten, die unter „Finanzierung von Aus- und Weiterbildung“ ausführlicher dargestellt werden.
  • Für Arbeitnehmer: Kosten, die im Zuge eines Anerkennungsverfahrens entstehen, können steuerlich abgesetzt werden.
  • Für Arbeitgeber in kleinen und mittleren Unternehmen: Eine Förderung über das „Programm WeGebAU“ der Bundesagentur für Arbeit ist möglich.

Wie lange dauert ein Anerkennungsverfahren?

Derzeit sind die Bearbeitungszeiten für die „Anträge auf Gleichwertigkeitsfeststellung“ der verschiedenen anerkennenden Stellen sehr unterschiedlich. Gesetzlich vorgeschrieben (Gesetzesgrundlagen: BQFG, BQFG-NRW und Verwaltungsverfahrensgesetz) ist, dass

  • spätestens ein Monat, nachdem der Antrag bei der zuständigen Stelle eingegangen ist, eine Benachrichtigung über den Eingang des Antrages bei Ihnen erfolgt. Dieser soll auch Angaben darüber enthalten, ob ihre Antragsunterlagen vollständig sind, und wenn sie das nicht sind, was noch fehlt.
  • spätestens 3 Monate nach Vorliegen der vollständigen Antragsunterlagen soll ein rechtsgültiger Bescheid bei Ihnen eingehen. Nur in begründeten Ausnahmefällen soll es länger dauern dürfen.

Externenprüfung

Wenn eine Anerkennung, sei es die der Berufsqualifikation oder auch des Schulabschlusses nicht möglich ist, besteht manchmal die Möglichkeit, an einer Externenprüfung teilzunehmen.

Natürlich können Sie auch darüber nachdenken, ob Sie eine neue, vielleicht sogar verkürzte Ausbildung oder Umschulung machen wollen, bzw. den nicht anerkannten Schulabschluss nachholen möchten.
Genauere Informationen finden Sie, wenn Sie den Links folgen.

Beratung und Unterstützung

In NRW gibt es Möglichkeiten, sich beraten und unterstützen zu lassen. Eine Erstberatung bieten

  • IQ-Anerkennungsberatungsstellen
  • Beratungsstellen zur beruflichen Entwicklung (BbE)
  • viele Jobcenter und Arbeitsagenturen
  • Migrationsberatungsstellen für Erwachsene Zuwanderer (MBE)
  • Jugendmigrationsdienste (JMD)
  • teilweise auch Erwerbslosenberatungsstellen

Die anerkennenden Stellen selber bieten häufig eine kostenlose Einstiegsberatung an. Nutzen Sie nach Möglichkeit vorhandene Beratungsangebote.


Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen Landesinitiative netzwerk W